Überblick der Behandlungsmöglichkeiten<br>bei Vitiligo
Obwohl es die einzige Wundertherapie nicht gibt, wird leider trotzdem mit obskuren Behandlungsmöglichkeiten geworben. Das Leid der Betroffenen wird ausgenutzt um Geschäftemacherei zu betreiben.
Dabei kennen wir inzwischen mehrere verschiedene effektive Behandlungsmöglichkeiten, die oft erfolgreich sind. Dies ist aber abhängig davon, welche Art der Vitiligo ein Betroffener hat und in welchem Stadium sich die Vitiligo befindet. Selbstverständlich wird man auch Kinder anders als Erwachsene behandeln.
Für alle verschiedene Formen der Vitiligo die Möglichkeiten der Therapie aufzuführen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.
Im Folgenden werden ich daher die nach meiner Ansicht wichtigsten Therapiemöglichkeiten nennen. Dabei selbstverständlich nur jene Therapien, deren Erfolg wissenschaftlich erwiesen ist. Denn behauptet wird viel. Und Einzelfälle, dass diese oder jene Pille, Pflanze oder irgendeine Vitaminmischung geholfen hätte, gibt es zuhauf.
Damit jedoch für alle Betroffene und die behandelnden Ärzte erwiesen ist, dass eine Behandlung Erfolg hat, muss zwingend eine wissenschaftliche Studie durchgeführt werden. Heute (Dezember 2002) taucht der Name Vitiligo in 2229 wissenschaftlichen Publikationen auf. Es wird also durchaus auf dem Gebiet geforscht. Sogar sehr viel.
Und dies ist genau der Grund, warum nicht alle Ärzte über die neuesten Entwicklungen informiert sind. Es wird soviel geforscht und auf Kongressen berichtet - zum Thema Haut gibt es bisher 342 000 verschiedene Artikel - dass der einzelne Arzt unmöglich den Überblick behalten kann. Den Überblick über die neuesten Therapien hat meist nur der Spezialist, der sich ständig mit seinem Thema beschäftigt. Bis sich eine neue Behandlungsmöglichkeit in den Köpfen aller festsetzt, können 5 bis 10 Jahre vergehen.
Lichttherapie
Die Lichttherapie ist schon seit Hunderten von Jahren bekannt. Insbesondere in südlichen Ländern hat man festgestellt, dass sich allein durch Sonnenlicht in vielen Fällen die Vitiligo vollständig zurückbildet Da es in unseren Breiten selten über längere Zeit genügend Sonnenlicht gibt, nutzen wir zur Behandlung meistens künstliches UV-Licht.
Wie wirkt das Licht? Die meisten Vitiligobetroffenen haben trotz weißer Haut noch Pigmentzellen in den Haarwurzeln. Diese werden durch Licht zum Wachstum angeregt und sprossen wieder in die weiße Haut ein.
Heute empfehlen wir meist als erstes die Bestrahlung mit dem modernen Schmalspektrum UVB-Licht. Viele, aber nicht alle Hautärzte, haben ein entsprechendes Gerät. Die Behandlung kann aber auch als Heimtherapie mit einem gekauften oder gemieteten Gerät durchgeführt werden.
Nötig sind 3 Behandlungen pro Woche über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten. Bei Nichtansprechen wird die Behandlung dann abgebrochen, bei einer guten Pigmentierung werden die Bestrahlungen fortgesetzt. Meine Patienten haben mit dieser Methode in etwa 70 % einen guten Erfolg erzielt. Die Behandlungserfolge sind besonders gut im Gesichtsbereich und am Körper. Vitiligoherde im Bereich der Hände und Füße sprechen dagegen seltener auf eine Bestrahlung an. Die neueste wissenschaftliche Studie berichtet sogar über eine Ansprechen von über 90% bei stabiler Vitiligo und das alleine ohne zusätzliche Vitamine oder Medikamente.
Gute Erfolge können auch mit einer anderen Art der Lichttherapie, der UVA-Bestrahlung, erzielt werden. Während die UVB-Lichtherapie für sich allein sehr gut wirksam ist, muss bei der UVA-Therapie immer zusätzlich ein Wirkstoff verwendet werden. Ich verwende dann fast immer eine Khellinsalbe. Diese wird eine halbe Stunde vor der Bestrahlung auf die betroffenen Flecken aufgetragen. Mit dieser Methode gelingt in einigen Fällen noch ein Erfolg, selbst wenn die UVB-Bestrahlung erfolglos war.
Mit anderen Salben, wie z. B. Vitamin D-haltigen Präparaten (Psorcutan, Curatoderm, Silkis) habe ich hingegen keine guten Erfahrungen gemacht. Auch von Medikamenten zum Einnehmen vor der Bestrahlung (Phenylalanin, Psoralen) sollte man eher abraten. Die sogenannte Bade-PUVA-Therapie, bei der das Medikament ins Badewasser gegeben wird, ist ebenfalls wirksam, aber mit einem sehr hohen (zu hohen?) Aufwand verbunden.
Die Lichttherapie (UVA und UVB) insgesamt ist für viele Patienten eine gute und wirkungsvolle Therapie. Sie ist aber mit einem hohen Zeitaufwand verbunden und wird oft falsch durchgeführt. Der häufigste Fehler ist, dass mit einer zu niedrigen Dosis bestrahlt wird. Wenn z. B. Gesicht und Knie gleichzeitig bestrahlt werden, erhält der Kniebereich eine zu geringe Dosierung, weil hier die dicke Hornschicht das Eindringen des Lichts verhindert. Bei richtiger Durchführung allerdings sind die Erfolge der Lichtherapie überzeugend. Dies wurde auch bei zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen.
Ganz neu auf dem Gebiet der Lichttherapie ist die sogenannte Excimer-Laserbehandlung. Hierbei handelt es sich im Grunde ebenfalls um eine UVB-Lichttherapie. Wie oben erwähnt kann diese allein wirksam sein. Beim Excimer Laser wird mit der siebenfachen Lichtstärke punktförmig bestrahlt. Ein Vorteil ist hier, dass die normal pigmentierte Haut nicht bestrahlt wird. Ansonsten ist die Behandlung, wie die Lichtherapie sehr aufwändig, da sie meist über Monate durchgeführt werden muß. Leider gibt es bisher keinen Hinweis darauf, dass der Excimer Laser bessere Ergebnisse als die normale Lichttherapie liefert.
Insgesamt ist die Lichttherapie mit ihren verschiedenen Formen eine sehr gute und wirkungsvolle Behandlungsmethode. Allein das Licht wirkt schon. Ohne Einnahme eines Medikaments, eines Enzyms oder eines Vitamins.
Schade nur, dass die Behandlung nur selten zum Einsatz kommt. Dabei wirkt sich nachteilig aus, dass die Lichttherapie in der Praxis von den gesetzlichen Kassen nur gering honoriert wird. Eine Tatsache, die nicht gerade die Motivation der Ärzte steigert, ihren Patienten diese Therapie auch anzubieten.
Chirurgische Behandlung
Eine operative Behandlung wird nur dann angewendet, wenn die Ausbreitung der Vitiligo zum Stillstand gekommen ist. Sie ist die einzig denkbare Therapie bei Patienten, deren Haare auf den Vitiligostellen bereits weiß sind, eine Lichtherapie also keinen Erfolg haben kann (s.o.).
Da die Vitiligoerkrankung zur Zerstörung der Pigmentzellen und führt, kann der Defekt behoben werden, indem gesunde Pigmentzellen in großer Zahl gezüchtet werden und dann zurück in die Haut transplantiert werden.
Diese Behandlungsmethode wurde 1992 von Werner Löntz und Mats Olsson in den U.S.A. entwickelt. Heute ist die Methode unter dem Namen MelanoSeedTM bekannt und die Zellzüchtung wird zentral für Deutschland von einer Biotechnologiefirma in Freiburg übernommen.
Es wird ambulant eine kleine Hautprobe entnommen. Anschliessend werden die darin enthaltenen Pigmentzellen ins Labor gesandt, dort gezüchtet und um ein Vielfaches vermehrt.
Nach drei Wochen erfolgt die eigentliche Behandlung. Nach einer Lokalanästhesie der weißen Hautareale wird die Oberhaut mit einem Schleifgerät oder einem Laser entfernt. Die gezüchteten Pigmentzellen werden in einer Haftsalbe aufgetragen und ein fester Verband wird angelegt. Nach 7-10 Tagen sind alle Wunden verheilt. Nach weiteren drei Wochen wird dann die Pigmentierung sichtbar und die weissen Flecken gewinnen den normalen Hautton zurück.
Geeignet sind jedoch nur Betroffene, bei denen sich die Flecken über mindestens 6 Monate nicht ausgebreitet haben. Ist dies jedoch der Fall, dann können ganz ausgezeichnete Resultate erreicht werden. Wesentliche Nebenwirkungen, wie z. B. Narben haben wir bisher nicht feststellen können.
Aufgrund der hohen Behandlungkosten und weil auch hier die richtige Durchführung der Behandlung extrem wichtig ist, ist man bei dieser Methode besonders auf die richtige Beratung und Qualifikation der behandelnden Ärzte angewiesen. Der Vorteil der MelanoSeedbehandlung liegt vor allem in der schnellen Erzielung eines guten Ergebnisses.
Kortison und Kortisonähnliche Substanzen
Kortison kann innerlich oder auch äußerlich bei vielen Patienten einen guten Erfolg zeigen. Da hier jedoch Nebenwirkungen zu beachten sind, werden diese Substanzen nur selten angewendet. Neue kortisonähnliche Salben (ProtopicTM und ElidelTM) wirken ähnlich gut, haben aber weniger Nebenwirkungen. Alle diese Medikamente sind jedoch einer Lichttherapie unterlegen und sollten daher zusätzlich oder nach einer fehlgeschlagenen Lichttherapie verwendet werden.
Methoden mit unbewiesener Wirksamkeit
Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Therapiemethoden, für die in Einzelfällen Erfolge vermeldet wurden (z.B. Melaginina, Sanum). Auch im Internet wird für verschiedene Präparate geworben (z.B. Sinvitil). In den meisten Fällen werden hier falsche Hoffnungen geweckt und die Wirksamkeit der Therapien ist wissenschaftlich nicht erwiesen.
In jedem Fall gilt, dass man zuerst die in diesem Artikel dargestellten Behandlungsmöglichkeiten ausschöpfen sollte, bevor man sich in sehr unsicher Gefilde begibt.
Dies gilt im Grunde auch für all die verschiedenen Vitamin- oder Enzympräparate. Ohne zusätzliche Lichtbehandlung ist ihre Wirksamkeit äußerst fraglich. Fest steht, dass man mit einer richtig durchgeführten Lichttherapie auch ohne Einnahme von Vitaminen, Mineralstoffen oder Enzymen sehr gute Behandlungserfolge erzielen kann.
Dauerhaftigkeit des Behandlungserfolgs
Für alle Behandlungsmethoden der Vitiligo gilt, dass der Erfolg nicht immer erhalten bleibt. Es gibt immer Betroffene, die einen neuen Krankheitsschub erleben müssen. Außer mit Kortison können wir solche Schübe bisher noch nicht verhindern. Unabhängig von der vorangehenden Therapie kann dann ein gutes Ergebnis auch wieder zerstört werden. Glücklicherweise ist dies nicht sehr oft der Fall.
Ausblick
Wird es in Zukunft bessere Behandlungsmöglichkeiten geben? Da die Aufdeckung der vererblichen Ursachen der Vitiligo, also das Erforschen von Gendefekten, immer schneller voran geht, haben wir die Hoffnung, dass eines Tages ein Medikament gefunden wird, dass den Ausbruch und die Ausbreitung der Vitiligo aufhalten kann und damit die Erkrankung vollständig heilt.
Erfahrungsgemäß dauert die Entwicklung eines Medikaments bis zur Zulassung jedoch 5 bis 10 Jahre. Bis dahin müssen wir uns in der nahen Zukunft mit Mitteln zufriedengeben, die die Vitiligo zwar nicht heilen, aber eine gute Repigmentierung erreichen, vielleicht auch ohne dass eine Lichtbehandlung notwendig wird. Ich bin überzeugt, dass wir in dieser Hinsicht bald Fortschritte erleben werden.


