Fallbericht einer Zelltransplantation
(Ein Bericht für den Deutschen Vitiligo Verein)
Die Anfang der neunziger Jahre von Mats Olsson und Werner Löntz entwickelte Methode der Melanozytentransplantation hat in der Vergangenheit bei ausgewählten Patienten sehr gute Resultate erzielt. Ein wesentlicher Nachteil war jedoch, daß jeder, der die Therapie durchführen wollte über ein voll ausgestattetes, hochspezialisiertes Labor zur Zellzüchtung verfügen mußte.
Aufgrund der hohen Kosten und dem geringen Stellenwert, den die Vitiligo leider immer noch hat, wurde die Therapie deshalb kaum durchgeführt. Seit von Biotissue Technologies die Zellzüchtung, wenn auch nach wie vor zu sehr hohen Kosten, übernommen wird, ist nun eher damit zu rechnen, daß die Melanozytentransplantation in der Therapie ihren Platz finden wird.
Im folgenden möchte ich über den Fall einer 25-jährigen Patientin berichten, die bereits seit der frühen Kindheit an einer Vitiligo im Gesichtbereich litt. Verschiedene Formen der Lichttherapie waren erfolglos geblieben. Eine Ausdehnung der Flecken hatte jedoch seit mehreren Jahren nicht mehr stattgefunden. Wegen des sehr dunklen Hautteints verließ die Patientin ohne Camouflage nie das Haus. Im November des vergangenen Jahres stellte sich die Patientin bei mir vor und wir entschlossen uns nach eingehender Beratung, eine Melanozytentransplantation durchzuführen.
Im Januar entnahm ich von der Patientin eine Hautprobe von 2 mal 3 cm. Diese Probe wurde per Kurier nach Freiburg geschickt. Vier Wochen später erschien die Patientin voller Erwartung zur Therapie. Gleichzeitig machte Sie sich jedoch auch große Sorgen, daß sie Narben im Gesichtsbereich von der Behandlung zurückbehalten würde. Ich konnte sie beruhigen, da ich bisher nie im Gesicht Narben beobachtet hatte. Nach einer leichten Anästhesie begann ich damit, die Oberhaut vorsichtig mit einem elektrischen Schleifgerät abzutragen, bis es zu einer leichten Blutung der Wunde kam. Nach meiner Erfahrung kann mit dem Schleifgerät exakter als mit einem Laser arbeiten.
Die Melanozyten werden aus Freiburg in einer Doppelkammerspritze geliefert, die auf der einen Seite die Zellen und auf der anderen Seite einen Kleber enthält. Wenn man beides zusammen aufträgt, entsteht einige Minuten später auf der Wunde ein fester Film. Nach dem Antrocknen des Zellklebers verbanden wir die Wunde im Oberlippenbereich mit einem wasserdichten Pflaster und baten die Patientin über mehrere Stunden weder zu essen noch zu reden.
Drei Tage nach der Behandlung erhielt ich von der Patientin einen aufgeregten Anruf. Sie hatte eine leichte Lippenschwellung und auch etwas Schmerzen. Vor allem aber war sie wiederum wegen einer möglichen Narbenbildung besorgt. Ich konnte sie erneut beruhigen, daß alles folgenlos abheilen würde. Fünf Wochen später sah ich die Patientin erstmals wieder. Die Wunde war gut verheilt, ohne Narbenbildung und zeigte noch eine leichte Rötung, jedoch bisher keinerlei Pigmentierung.
Auch nach zwei Monaten war noch keine deutliche Repigmentierung zu sehen. Danach verloren wir für einige Monate den Kontakt und ich ging davon aus, das wir wohl kein gutes Ergebnis erzielt hatten. Umso überraschter war ich, als mich die Patientin sechs Monate später überglücklich anrief und mir erzählte, sie hätte eine nahezu vollständige Repigmentierung.
Kommentar: Das bisher nicht immer gute Ergebnisse mit Melanoseed erzielt wurden, könnte drei Gründe haben: Die Abtragung mit dem Laser, der die Haut ja durch Wärmeentwicklung zerstört, liefert im Vergleich zur mechanischen Abtragung keinen geeigneten Wundgrund zum Anwachsen der Zellen. Von unerfahrenen Operateuren wurde nicht in der richtigen Hauttiefe abgetragen oder die Patienten wurden von vorneherein nicht gut ausgewählt, hatten zum Beispiel noch eine Ausbreitung in ihren Vitiligoarealen.
In unserem Falle konnte ich mit dem Melanoseed Produkt gleich gute Ergebnisse erzielen wie früher mit unserer eigenen Zellzüchtung. Ich bin deshalb zuversichtlich und habe bereits eine große Anzahl weiterer Transplantationen durchgeführt.










